Kleine Sonnenstrahlen: Nähen für den guten Zweck

Kleine Sonnenstrahlen: Nähen für den guten Zweck

Sonnenstrahlen für Sternenkinder

Ab wann ist ein Mensch ein Mensch und wann hat er nicht existiert – und wer entscheidet darüber? Bis 2013 bestand die kontroverse Regelung, Sternenkinder unter einem Gewicht von 500 Gramm weder ins Personenstandregister einzutragen noch zu bestatten, als hätte es sie nie gegeben. Heute sieht die Gesetzgebung zwar anders aus, doch wird das Thema weiterhin tabuisiert. Die 17jährige Sophia Imhof aus Freiburg möchte dies mit ihrem gemeinnützigen Projekt „Kleine Sonnenstrahlen“ ändern und Eltern in dieser schwierigen Phase begleiten.

Mit dem Begriff „Sternenkinder“ bezeichnet man Todgeburten und Säuglinge, die kurz vor oder nach der Geburt sterben. Bis zum Jahr 2013 wurden Sternenkinder unter 500 Gramm nicht bestattet. Nach einer Petition betroffener Eltern änderte sich das Gesetz: heute können alle Kinder, unabhängig vom Gewicht beigesetzt werden.

Kliniken stehen dabei oft vor der Herausforderung, dass sie für Frühchen und Sternenkinder nicht genügend Babykleidung haben. Die Säuglinge werden dann nur in Tüchern gewickelt. Das Projekt „Kleine Sonnenstrahlen“ näht, strickt und häkelt deshalb ehrenamtlich Babykleidung und beliefert Krankenhäuser damit.

Farbe in einer tristen Zeit

Sophia Imhof, die gerade mal 17jährige Initiatorin des Projekts, erzählt im Gespräch: „Oft fehlt es an Frühchenkleidung, und wenn es welche gibt, sind sie in einheitlichen, monotonen Farben. Wir möchten mit unseren bunten und verspielten Sachen, den Babys ihre Individualität zurückgeben und ein bisschen Farbe in diesen schwierigen Lebensabschnitt der Eltern bringen.“

Eine Trostbox für die Eltern, bestehend aus Kerze, Anhänger, Karten

Eine Trostbox für Eltern

Für die Eltern stellt sie kleine Trostboxen zusammen, bestehend aus Kerzen, Karten und Anhängern, die an das Kind erinnern sollen. Diese können optional personalisiert sein.

Ihr Engagement findet große Resonanz bei den betroffenen Familien.

Frühchenkleidung von den Kleinen Sonnenstrahlen genäht

Eltern schicken ihr oft Tragebilder ihrer Kinder, um sich zu bedanken.

Vom Hobby zum Engagement

Wie kommt ein so junger Mensch dazu, sich so einem ernsten Thema zu widmen? Sophia schmunzelt: Am Anfang war es die Langeweile. Vor allem in Corona Zeiten brauchte sie eine sinnvolle Beschäftigung und begann, sich das Nähen mithilfe von Youtubetutorials anzueignen. Bald darauf wollte sie ihr neues Hobby für etwas Gutes einsetzen und rief die „Kleinen Sonnenstrahlen“ ins Leben.

Innerhalb kurzer Zeit ist das Projekt enorm gewachsen. Mittlerweile helfen 50 Ehrenamtliche aus ganz Deutschland und beliefern Kliniken bundesweit. Viele von ihnen nähen von zuhause aus. Im Raum Freiburg gibt es auch Nähtreffs.

Sophia Imhof (rechts), die Initiatorin des Projekts mit zwei ihrer ehrenamtlichen Helferinnen. Kathrin (links) gehört zu denen, die am längsten mit dabei sind. In ihrem Freundeskreis hat sie Erfahrung mit Sternenkinder gemacht. Auch ihr ist es deshalb wichtig, dass die Gesellschaft mehr und offener über dieses Thema spricht.

So kannst du mithelfen

Genäht wird übrigens nicht nur für Frühchen und Sternenkinder, sondern auch für kranke Kinder und wo akut Spenden gebraucht werden, wie z.B. für die Ukrainehilfe. Das Projekt sucht fortlaufend Stoff- und Geldspenden, sowie weitere Menschen, die begeistert mitnähen möchten. Auch suchen die Kleinen Sonnenstrahlen einen festen Raum für gemeinsame Nähtreffs und einen Lager für die Stoffrollen und Nähsachen.

Sophia und ihre Helfer*innen bringen nicht nur kleine Sonnenstrahlen in dunkle Tage, sondern haben mit ihrem Projekt auch eine wichtige Botschaft: Mensch ist man unabhänig vom Gewicht. Was zählt ist die Liebe der eigenen Eltern, diese begründet unsere Existenz.

Mehr Infos: https://www.instagram.com/kleine_sonnenstrahlen/

Written by ssobotta - 28. November 2022 - 2580 Views